Die natürlichen Ressourcen der Erde sind endlich, die Auswirkungen menschlichen Handelns immer häufiger spürbar. Insbesondere zwei Trends beeinträchtigen diesen Prozess zunehmend: der steigende Ressourcenabbau, der sich seit 1970 verdreifachte, und die wachsende Weltbevölkerung, die sich im selben Zeitraum mehr als verdoppelte. Bis ins Jahr 2050 soll sie weiter auf über 9 Milliarden Menschen anwachsen, von denen vermutlich zwei Drittel in Städten leben werden.

Einbahnstraße: Linearwirtschaft

Das Wirtschaftssystem, welches aktuell auf dem gesamten Planeten vorherrscht, ist die Linearwirtschaft:

Produkte werden produziert, um die halbe Welt transportiert und nach ihrer Nutzung verbrannt oder deponiert. Die darin enthaltenen Ressourcen gelangen nicht zurück in einen Materialkreislauf. Im Gegenteil: Sie sind nicht wiederverwendbar.

Daher wird dieses Wirtschaftsmodell abwertend auch als „Wegwerfwirtschaft“ bezeichnet.

Müllhaufen auf der Straße

Neue Wege

Im Gegensatz zur Linearwirtschaft steht die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy). Sie beschreibt ein Modell der Produktion und des Verbrauchs, bei dem die Lebensdauer von bestehenden Materialien und Produkten durch verschiedene Handlungsweisen verlängert und Abfall vermieden wird.

Der Begriff „Wirtschaften“ bedeutet, zur Verfügung stehende Mittel möglichst rationell – also zweckmäßig und sparsam – zu verwenden. Genau dieses Verständnis, gepaart mit dem Drang zur Veränderung alter Muster, lässt sich in immer mehr Teilen der Gesellschaft wiederfinden.

Recycling von grünen Glasflaschen
Hamburger Hafen mit Schiff auf der Elbe

Potential für Großstädte

Die Zukunftsfähigkeit der Hansestadt Hamburg als Wirtschaftsstandort profitiert maßgeblich vom Zugang und Engagement urbaner Akteur:innen, neue Technologien zu nutzen, Produkte zu entwickeln, Innovationen hervorzubringen und Wissen zu teilen. Insbesondere für Städte wie Hamburg kommt es darauf an, die urbanen Entwicklungserfordernisse ganzheitlich zu betrachten.

Gerade Trends wie Urbanisierung und Digitalisierung eröffnen die Chance, niedrigschwellige Zugänge zu Produktionstechnologien für Bürger:innen zu ermöglichen. Dies ist auch ein wesentlicher Faktor zur Förderung der Kreislaufwirtschaft einer Stadt.

Leere Glasflaschen in einem Kasten Recycling

Lokale Kreisläufe

Ressourcen können und sollten wieder- oder weiterverwendet werden. Dazu werden sowohl innovative Produktentwicklungen und effiziente Recyclingtechnologien als auch zirkuläre Märkte benötigt – insbesondere auf lokaler Ebene. Es gilt also nicht nur, ein Netzwerk und die dazugehörige Interessensgemeinschaft zu schaffen, sondern auch an der konkreten Etablierung einer lokalen Kreislaufwirtschaft zu arbeiten. Der Wirtschaftsstandort Hamburg bietet dafür die besten Voraussetzungen.

Mann schweißt in einer Werkstatt

Offene Produktion

Ressourcen können und sollten wieder- oder weiterverwendet werden. Dazu werden sowohl innovative Produktentwicklungen und effiziente Recyclingtechnologien als auch zirkuläre Märkte benötigt – insbesondere auf lokaler Ebene. Es gilt also nicht nur, ein Netzwerk und die dazugehörige Interessensgemeinschaft zu schaffen, sondern auch an der konkreten Etablierung einer lokalen Kreislaufwirtschaft zu arbeiten. Der Wirtschaftsstandort Hamburg bietet dafür die besten Voraussetzungen.

Die Vision

Durch urbane Produktion kann eine Stadt gezielt die Güter herstellen, welche sie selbst konsumiert und umgekehrt.

Langfristig fördert die stadtfokussierte Produktion somit ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch eine Verringerung von Transport- und Arbeitswegen. Sie kann Impulse setzen für Innovation, Arbeitsplätze und Fachkräfte.

Durch ein dichtes Netzwerk schöpfen die Stadtbewohner:innen so einen neuen Wert, sowohl als Individuum wie auch in der Gemeinschaft – ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Demokratie.

Die Globalisierung und die zunehmende digitale Vernetzung führen zu völlig neuen Mustern der Wertschöpfung. Ein Modell lässt sich unter dem Begriff Bottom-up-Ökonomie zusammenfassen. Sie unterscheidet sich von traditionellen Wirtschaftsweisen durch eine Verschmelzung von Produktion und Konsum sowie durch verteilte Strukturen und Prozesse bei der Leistungserstellung. Die Bottom-up-Ökonomie unterliegt einer Logik der Offenheit und Teilhabe.

In einigen Branchen kann bereits ein Paradigmenwechsel von der traditionellen unternehmenszentrierten und Top-down-Wertschöpfung hin zu offeneren und kollaborativeren Bottom-up-Konzepten beobachtet werden.

Heutzutage werden Produkte kaum noch repariert:

-weil sie dazu nicht konzipiert wurden
-weil Nutzenden das Reparaturwissen fehlt -weil ein neues Produkt günstiger ist.

Dabei kann die Reparatur einen großen Beitrag für Klimaschutz und Ressourcenschonung leisten, die lokale Wirtschaft fördern und Arbeitsplätze schaffen.

Die seit März 2021 in der EU geltende Ökodesign-Richtlinie regelt erstmalig auch die Reparaturfähigkeit einzelner Produktgruppen. So müssen zum Beispiel Elektro-Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Fernseher leichter und länger repariert werden können. Gemäß dieser neuen Richtlinie müssen Kühlschränke bis zu sieben und Waschmaschinen bis zu zehn Jahren reparaturfähig sein. Die Reparatur muss dabei mit handelsüblichem Werkzeug und (in bestimmten Fällen) durch den Nutzenden selbst durchführbar sein.