Kreislaufdesign zwischen Materialpraxis, Systemdenken und regionaler Wertschöpfung
Die MAKER CHALLENGE 2026 lädt noch bis zum 26. März zur Einreichung von Produktideen ein, die zirkuläre Prinzipien in Gestaltung, Materialwahl und Nutzungssysteme integrieren.
Beim begleitenden Meetup am 26. Februar wurden drei zentrale Perspektiven auf Kreislaufdesign gemeinsam in der Community mit Büger:innen, Maker:innen, und Designer:innen diskutiert – von materialbasierter Prototypenentwicklung über systemisches Design bis hin zu Cradle-to-Cradle-Strategien in der Praxis.














Pappe schlägt Pixel –
design for human nature
Hélène Fontaine und Julian Breitschmid von design for human nature demonstrierten, wie physisches Prototyping zur Wissensgenerierung beiträgt. In ihrer Prototyping Garage sowie am Schreibtisch werden Modelle aus Pappe, Holz und Alltagsmaterialien genutzt, um Entwurfsentscheidungen früh zu konkretisieren.
Diese Praxis zeigt: Analoge Modelle stellen Fragen, die digitale Simulationen nicht stellen, und fördern die Reflexion über Nutzung, Form und Funktion. Prototypen werden so zu epistemischen Werkzeugen – sie machen die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzer:innen erfahrbar und verschieben die Entscheidungslogik vom späten Optimierungsprozess auf den Anfang des Designs.
Takeaway für die MAKER CHALLENGE: Ideen müssen nicht ausgereift sein; entscheidend ist der Beginn eines explorativen Prozesses, der iterative Lernschleifen ermöglicht.








Systemische Kreislaufgestaltung – Indeed Innovation
Mariana Yzusqui Burkard von Indeed Innovation thematisierte die strategische Dimension zirkulärer Produktentwicklung. Zentral ist die Erkenntnis: 80 % der Umweltwirkung eines Produkts werden in der Designphase bestimmt, lange bevor Produktion oder Recycling relevant werden.
Anhand alltäglicher Produkte – vom Rasierer über Sneaker bis zum Akkubohrer – wurde veranschaulicht, wie wichtig es ist, Lebenszyklen nicht linear, sondern als Kreisläufe zu denken. Dabei spielen Materialwahl, Modularität, Reparierbarkeit und Geschäftsmodell eine zentrale Rolle, um Ressourcen effizient zu nutzen und Abfall zu minimieren.
Implikation für die MAKER CHALLENGE: Bereits kleine Kreislaufelemente oder Ansätze zur Langlebigkeit haben eine signifikante Wirkung, wenn sie konsequent in den Designprozess integriert werden.



Cradle to Cradle – Prinzipiengeleitetes Design von Anfang an
Die Regionalgruppe Hamburg der Cradle to Cradle NGO stellte den Cradle-to-Cradle-Ansatz vor, der eine konsequente Kreislaufwirtschaft vom Produktanfang her denkt. Recycling allein sei nicht ausreichend; Materialien sollten so gestaltet werden, dass sie kontinuierlich in biologischen oder technischen Kreisläufen verbleiben und ökologischen wie ökonomischen Wert schaffen.
C2C verbindet somit ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Rentabilität und verdeutlicht, dass die Entscheidung über Materialität und Konstruktion am Anfang des Lebenszyklus getroffen werden muss.
Takeaway für Teilnehmer:innen: Die Umsetzung beginnt mit einer Idee, die kreislauforientiert denkt – ein Ansatz, der sowohl kleine Produktinnovationen als auch größere Systemlösungen inspirieren kann.





Regionale Innovationsökosysteme als Umsetzungsmotor
Perspektiven für zirkuläre Produktentwicklung
Gemeinsamer Nenner der drei Beiträge war die Einsicht, dass Kreislaufdesign nicht auf Materialreduktion oder technologische Effizienz allein zu reduzieren ist. Vielmehr bedarf es:
- Frühzeitiger, materialer Auseinandersetzung, um Gestaltungsentscheidungen erfahrbar zu machen.
- Systemischer Integration von Produkten in Nutzungssysteme, die zirkuläre Geschäftsmodelle unterstützen.
- Prinzipienorientierter Gestaltung, die Gültigkeit über einzelne Produkte hinaus entfaltet.
Damit verbindet die MAKER CHALLENGE wissenschaftlich fundierte Designprinzipien mit experimenteller Umsetzungspraxis – ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Produktionskultur. Die MAKER CHALLENGE ist somit mehr als ein Ideenwettbewerb. Die zehn ausgewählten Gewinner:innen-Projekte werden gemeinsam mit Maker:innen, Mentor:innen und Partnerinstitutionen aus der Metropolregion Hamburg weiterentwickelt.
Mit additiver Fertigung, CNC-Bearbeitung, Lasercutting, Elektronikentwicklung und materialtechnischer Expertise entsteht ein praxisnahes Entwicklungsumfeld, das zirkuläre Produktideen in funktionsfähige Prototypen überführt.
Einreichungsfrist: 26. März 2026
Alle Informationen zur Teilnahme:
https://makerchallenge.fabcity.hamburg